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Tag 17

Marco Island – Miami Beach

Siebte Etappe, die letzte mit Mietauto. Schweren Herzens verabschiedeten wir uns heute vom traumhaften Marco Island. Die Hotelanlage lässt keine Wünsche offen, was sich aber auch im Preis niederschlägt. Anyway. Es war schön, sehr schön.

Über den Tamiami-Trail setzten wir unsere Reise Richtung Miami Airport, quer durch die Everglades fort. Eine ruhige Fahrt auf einer fast schon monotonen Piste. Mehr oder weniger schnurgerade durch endloses Grün. Viele Warnschilder machen die Automobilisten drauf aufmerksam, dass jederzeit mit wilden Tieren auf der Strasse zu rechnen ist. Ausser ein paar stattlichen Vögel über uns (darunter ein Adler) und einer Unmenge an Libellen vor uns, gab’s heute nichts zu beobachten. Da wir unsere Lümmelsine gegen Mittag abgeben mussten, verzichteten wir auf einen weiteren Ausflug in die Sümpfe.

Kurz vor Miami stiessen wir auf die Grossbaustelle, die wir bereits letztes Jahr passierten. Heuer wurde der Verkehr einspurig an den Werkplätzen vorbeigeführt, an denen eine neue Strasse auf Pfeilern entsteht. Dazu werden riesige Fertigelemente aus Beton verbaut, die mit mächtigen Trucks zur Baustelle geführt werden. Eine Spur der Strasse wird somit zum Werkhof. Über die zweite Fahrbahn läuft der wechselnden Einbahnverkehr.

Warum ist mir diese Baustelle so viel Text wert? Weil wir schliesslich an der Spitze einer portionierten Wagenkolonne standen und uns ein paar Minuten Gedanken über „harte Arbeit“ machen konnten. Vor uns stand ein Arbeiter mit einer Schwenkkelle in der Hand. „Stop“ stand auf der einen, „Slow“ auf der anderen Seite. Der Mann, der das Signal bediente, trug ein Funkgerät um den Hals, um mit seinem Kollegen am anderen Ende der Einbahnstrasse das Verkehrsaufkommen zu koordinieren. Auf dem Kopf trug er einen Helm. Ausserdem eine Sturmhaube, ein Tuch, das er sich zusätzlich übers Gesicht gezogen hatte, langärmlige Jacke, lange Hosen mit Stiefeln und Handschuhe! Und das bei 40°C Lufttemperatur, auf noch heisseren Asphalt stehend. Warum er so angezogen war, konnten wir an seinen wehrenden Handbewegungen erahnen: Moskitos.
Und ja, er schwitzte. Denn sein behandschuhter Zeigefinger suchte immer wieder den Weg durch den Stoff an die Stirn um die Augen vom Schweiss zu befreien.
Aus dem klimatisierten Auto zog ich virtuell (m)einen Hut vor diesem Mann.

Der Baustelle sei Dank für diesen geschenkten Moment zum Nachdenken. Vielen Mitbürgern wünsche ich ähnliche Begegnungen. Und dass sie in einer solchen Situation die Chance für eine kurze Reflexion erkennen und diese dann auch zum Innehalten und Nachdenken nutzen. Fazit: Uns geht’s verdammt gut!

Wenig später erreichten wir den Ausgangsort, wo wir vor zwei Wochen unsere Rundreise begannen – den Miami International Airport. Am Samstag brechen wir von hier aus zum letzten Etappenziel auf.

Tschüss Mietwagen und vielen Dank für das komfortable Cruising. War eine tolle Erfahrung und in dieser Autokategorie wohl nur hier in den USA möglich. Leider.

Per Taxi ging’s zur Unterkunft, wo wir schon als Stammgäste begrüsst wurden. Schliesslich gastieren wir nun schon zum vierten Mal in Miami Beach und zum dritten Mal in diesem Hotel. Passt scho!

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Tag 16

Heute war es heiss, sehr heiss. Und das Wasser war warm, sehr warm. Konsequenz: Regelmässiges Liegestuhlrücken. Das Investment in einen Schatten spenden Umbrella war heute jeden Dollar wert. (Anm. der Red.: ca. 3$/h)
Und dennoch ist’s passiert. Trotz Sonnenschutzfaktor 50, mehrmaligem Einkremen, Schatten only und nur kurzen Badesequenzen: Partielles Lobstering. Schon wollte ich frohlocken, dass mir dieses Jahr der Sonnenbrand erspart blieb. Man soll halt Florida nicht vor New York loben – oder so ähnlich. Nun. Wenigstens haben wir die Aloe Vera Paste, die aussieht wie ein grüner Wackelpudding (und sich auch so anfühlt) nicht umsonst gekauft. Dick auftragen, einwirken lassen und dies wiederholt durchführen. Hilft zwar nix, beschert einem aber das Gefühl, das Richtige zu tun. Trösten tut auch, dass noch viele andere Bleichgesichter sich in Winnetou Doubles verwandelt haben. Geteiltes Leid mindert die Schadenfreude – oder so ähnlich.

Die gestrige Show der Futterbeschaffung unserer Flügel tragenden Animateure erreichte heute ihren Höhepunkt. Unvorsichtige Planscher liessen ihre Picnic-Tasche unbeaufsichtigt am Strand zurück. Nach einigen Inspektionsflügen ortete eine Krähe einen scheinbar offenen Chipssack. Also: Runter zur Tasche, Rübe in den Sack, Chip in den Schnabel und Rückzug. Der erfolgreiche Raubzug blieb nicht unbeobachtet. Sekunden später schrieben sich drei weitere Schwarzmaskierte in die Liste der erfolgreichen Räuber ein. Der Fünfte schliesslich machte sich gleich mit der ganzen Tüte aus dem Sand, ähm Staub…

Heute nehmen wir mit einem wunderkitschigen Sonnenuntergang Abschied vom Golf von Mexico. Morgen folgt die letzte kurze Autoetappe durch die Everglades mit Ziel Miami Airport. Dort heisst es Abschied nehmen von unserem Schlitten und umsteigen ins Taxi.

Uns wird langsam bewusst, dass sich unser Aufenthalt im Land der unmöglich Begrenzten (Kalauer) – im Land der unbegrenzten Möglichkeiten – und das ist es immer noch – dem Ende zuneigt. Noch etwas mehr als eine Woche und die Heimat hat uns wieder, ob sie will oder nicht. Doch noch geniessen wir es weiter in vollen Zügen und klimatisierten Räumen. Stay tuned.

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Tag 15

Ausschlafen, ausgiebiges Frühstücksbuffet und Lümmeln im Liegestuhl. Mehr gibts vom heutigen Tag eigentlich nicht zu berichten…

Ausser vielleicht vom Spektakel, Möwen, Seeschwalben und Pelikane bei der Jagd zu beobachten.
Während Krähen den ganzen Tag den Strand nach Verwertbarem absuchen, verdienen sich die Erstgenannten durch ehrliches Fischen ihr täglich Brot. Wobei sich die Jagdtechnik der drei Vogelarten kaum unterscheiden. Sie überfliegen anmutig das Zielgebiet, legen blitzschnell die Flügel an und stechen mit rasantem Tempo senkrecht auf ihr Sushi nieder. Und das mit hoher Trefferquote und einem riesigen Appetit. Die Pelikane bleiben nach dem Jagderfolg im Wasser. Mit einer schnellen, nach hinten gerichteten Kopfbewegung befördern sie den Fisch in ihren Schlund oder Kehlsack. Anschliessend erhebt sich der, beim Start für einen kurzen Moment etwas tapsig wirkende Vogel mit zwei, drei kräftigen Flügelschlägen vom Wasser ab und schon befindet er sich wieder im eleganten Gleitflug. Bereit, seinen nächsten Happen anzuvisieren. Seeschwalben und Möwen geben sich mit kleineren Beutetieren zufrieden. Auch sie stürzen sich auf ihre Beute, verlassen aber umgehend die Wasseroberfläche und befördern den Fisch im Flug in ihren Verdauungsapparat. Was fasziniert ist, dass der Fisch immer mit dem Kopf voran verschlungen wird. So vermeiden die Jäger, dass ihnen der Fisch sprichwörtlich im Hals stecken bleibt. Und die Seeschwalbe löst dieses Problem zirkusreif. Kurz nach dem Start wirft der Artist den Beutefisch, der quer im Schnabel liegt in die Luft und fängt ihn in der korrekten Ausrichtung. Klappe zu, Fisch zu Futter.

Sowohl Seeschwalben , Möwen wie auch die Pelikane lassen sich von planschenden Touris im Wasser nicht stören. Im Gegenteil. Das warme Wasser bindet wenig Sauerstoff. Bedeutet, dass sich die Fische an Ufernähe an der Wasseroberfläche aufhalten müssen. In Schwärmen umkreisen sie die Badenden und suchen so wohl Schutz vor der gefiederten Luftwaffe. Wie kombiniert also die klevere Möwe: Dort wo Menschen planschen lasse dich nieder. Und so erleben wir die Jagd der gefiederten Freunde im Wasser fast hautnah. Faszinierend.

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Tag 14

Heute beschloss Petrus, den Sonnenplausch am Mittag zu beenden. Miami meldete schon gegen 0900h heftige Gewitter. Vom Strand aus beobachteten wir, wie sich die schwarze Wand langsam über die Everglades Richtung Golf auf uns zu wälzte. Fernes Donnerrollen kündigte heftige Windböen an.
Nach erfolgter Dislokation ins Hotelzimmer erschreckte uns ein Blitzeinschlag in unmittelbarer Nähe. Der fast gleichzeitige ohrenbetäubende Knall bestätigte, dass heute mit dem Wettermann nicht zu spassen ist. Der Kerl hatte schon gestern massiv schlechte Laune, die heute nicht wirklich besser war.

Gewitter sind üblicherweise schnell vorbei. Heute aber war die Sonne nicht bereit, am Himmel für Ordnung zu sorgen. Der Regen hörte zwar auf, doch die Wolkendecke riss bis zum Abend nicht mehr auf. Genug Zeit also für einen kurzen Spaziergang am Strand, die Etappen-Karten im Blog anzupassen (aus Soll wird Ist) und einen Besuch im Supermarkt. Der Kühlschrank im Hotelzimmer will ja auch gefüllt sein.

Am Abend hatten sich die Gemüter der Wetterschmiede wieder beruhigt. Outdoor Nachtessen und Abendspaziergang entschädigten etwas für den ins Wasser gefallene Tag.

Am Strand trifft man, ähnlich wie auf Sanibel, auf Tonnagen von Muscheln. Ein ausserordentlich schönes Stück stinkt, nach einer ausgiebigen Waschaktion, auf dem Balkon vor sich hin. Je nach Emissionsgrad begleitet uns der verlassene Weichtierbau mit nach Europa. Mal sehen…

Trotz „miesen“ Wetters ist die Stimmung (noch) gut. Schliesslich stehen noch fünf Badetage an, bevor wir zum grossen Finale schreiten.
Florida ist um diese Jahreszeit heiss und feucht. Und das hat seine Faszination. Aufgrund der Weite (das Auge findet in der Ferne keine Fixpunkte wie Hügel geschweige denn Berge – hier ist es flacher als in Holland) lässt sich die Entstehung von Wolkenformationen in einem XXXXL-4D-imax-Format miterleben. Gigantisch.

Während in heimischen Breitengraden ein Gewitter meist zu einem massiven Temperatursturz führt, pendelt sich die Abkühlung in Florida auf angenehmen T-Shirt und Shorts Temperaturen ein. Draussen bleibt es 24h lang wärmer als drinnen. Was will man mehr.

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Tag 13

Die kürzeste Etappe war zugleich eine der schönsten. Die Landschaft ab Fort Myers bis hin zu Marco Island ist schlicht traumhaft. Wasserwege prägen die Ortsbilder. Vor dem Haus die Strasse für den 7 Meter Pickup, hinter dem Haus der Kanal für das hochseetaugliche Sportfischerboot. So lässt’s sich leben. Über die vielen Golfplätze berichtete ich ja schon letztes Jahr…

Doch Marco Island toppt alles. Ein Paradis. Amerikanisch zwar, aber wunderschön. Karibikfeeling pur.
Unser Hotel, das bisher grösste auf der Tour, ist der Hammer. Ein Dorf eingepackt in einen Gebäudekomplex. Der Strand ist breit, seeeeehr breit. Doch das Wasser konnten wir heute noch noch nicht testen. Denn bevor wir die Zehen in den Golf von Mexico stecken konnten, mussten wir vom nächsten Gewitter flüchten. Deshalb haben wir auch noch keine Seekühe gesehen (um diese Jahreszeit ist die Wahrscheinlichkeit eh klein, diese putzigen Kolosse vor die Linse zu bekommen). Dafür schuf das Gewitter eine Abendstimmung für einen atemberaubenden Sonnenuntergang.

Das Finale ist lanciert. Miami Beach ist zwar ein sicherer Wert, doch Marco Island ist einfach der Knaller. Wir freuen uns auf die nächsten drei Strandtage.

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Tag 12

36°C. So heiss war es heute auf Sanibel Island. Auch das Wasser erreichte fast Körpertemperatur. Krass.

Heute nahm sich Sven eine Auszeit und blieb tagsüber im klimatisierten Appartement. Zu zweit schmachteten wir in der Hitze am Strand und entschieden uns über Mittag zu einer längeren Siesta, verbunden mit Wäsche waschen. Schon praktisch, dass man das fast überall in den Staaten gegen wenig Bakschisch machen kann. In unserem Fall ein Stockwerk tiefer – fast wie zu Hause…

Es ist 22:00h. 48. Zwei Bierchen und ein Glas Malbec intus, sitze ich auf dem, mit Moskitonetzen abgeschirmten Balkon, sinniere über den Tag und schaue meinem Geburtstags-Feuerwerk zu. Petrus gewittert nämlich wieder mal aus allen Rohren. Blitze zucken im Sekundentakt vom Himmel. Ein schaurig schönes Schauspiel. Vielen Dank für diese Spektakel.

Sanibel ist ein schöner, aber auch etwas abgelegener Fleck. Zum nächsten Supermarkt muss man – hin und zurück – 60′ Fahrt einrechnen. Nicht, dass dies in den USA ein Problem wäre. Aber man muss sich halt organisieren.
Der Strand ist lang und voller Muscheln. Das Meer ist smaragdgrün und flach abfallend. Man watet auf einem feinen Sandboden und kann noch nach hundert Meter Distanz zum Ufer bequem stehen.
Die Fluten vor ein paar Wochen haben keine sichtbaren Schäden hinterlassen. Auffallend ist aber, dass sich in den Uferböschungen enorm viel Müll angesammelt hat. Da muss noch tüchtig aufgeräumt werden.

Die Hälfte unseres USA-Aufenthalts ist bereits vorüber. Morgen geht’s auf der sechsten Etappe Richtung Naples und weiter zum Etappenziel Marco Island. Hier erhoffen wir uns, das eine oder andere Kitschbild vom Sonnenuntergang zu schiessen. Schau’n mer mal.

Wir genossen die beiden Beach-Days und freuen uns auf die nächsten…

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Tag 11

Sanibel Island

Tja. Von nun an stehen lazy Beach days auf dem Programm. Die grösste Herausforderung besteht darin, sich keinen Sonnenbrand zu holen. Sonnenschutzfaktor 50 macht aus Bleichgesichtern, sofern richtig dosiert und flächendeckend aufgetragen, lediglich Hellrothäute. Das ist akzeptabel. Ein wenig Farbe sollte es ja schon sein.

Sanibel Island ist bekannt für seine Muscheln. Der Strand ist partiell wahrlich überzogen von einer zentimeterdicken Muschelschicht. Bei Niedrigwasser pflügen die Schatzsucher den Flutsaum und klauben die schönsten Stücke. Die Ebbe setzt zur Zeit abends ein. Da auch die Schildkröten momentan ihre Legesaison haben, müssen die Strände über Nacht von Liegestühlen, Sonnenschirmen, Paddelbooten und Sonstigem geleert werden. In der Nacht suchen die gepanzerten Meeresbewohner die Strände auf und Tierschützer markieren nach erfolgter Eiablage das Nest. Bei Fort Lauderdale sahen wir ganze Strandabschnitte mit Absperrbändern umzäunt. Da muss eine ganze Schildkrötenarmada das Ufer geentert haben. Vorbildlich: Die Tierchen geniessen Vorrecht. Bedeutet: Die Touris müssen ausweichen. So lautet das Gesetz in Florida.
Mal sehen, ob wir morgen paar neue Gelege in unserem Strandabschnitt finden werden.

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